Medien Berichte

«Miteinander statt gegeneinander»     Tierwelt Nr 16. 2005

Elvira Balzer ist Hunde- und Pferde-Beziehungsberaterin. Einerseits setzt sie sich für Lösungen ein, wenn in Mensch-Hunde-Teams oder Mensch-Pferde-Teams Probleme entstehen. Andererseits gibt die Hunde- und Pferdefreundin kompetent Ratschläge, wenn Hund und Pferd gemeinsam unterwegs sein sollen. Der «Tierwelt» erzählt Elvira Balzer von ihrer spannenden Arbeit.

Das Bild von Mensch, Hund und Pferd bei einem gemeinsamen Ausritt in einer idyllischen Natur erfreut alle, die den Weg des Trios kreuzen. Voraussetzung für die allgemeine Freude ist allerdings, dass der Mensch und seine Tiere eine Einheit bilden, ein verlässliches, eingespieltes Team sind. Hilfe beim Erreichen dieses Ziels bietet Elvira Balzer aus Eiken AG an: «Viele Hundehalter, die sich ein Pferd anschaffen, machen es sich zu einfach, die beiden Tiere zusammenzubringen. Das Gleiche gilt natürlich umgekehrt, wenn der Pferdebesitzer von heute auf morgen einen Hund in die Familie holt.» Mit Hunden, Pferden und weiteren Tieren aufgewachsen, weiss Elvira Balzer, wie eine optimale Beziehungsebene angestrebt werden kann. Denn schliesslich soll das Trio anderen Naturgeniessern wie Joggern, Bikern, anderen Hunden oder Wanderern ohne Probleme begegnen können. Bei ihr kann der richtige Umgang mit den ungleichen Tierarten gelernt werden. Auch Anfänger werden von Grund auf in die Reitkunst oder in die Hundehaltung eingeführt. Wer weder Hund noch Pferd besitzt, aber mit dem Gedanken spielt, künftig mit diesen Tieren zu leben, kann dies mit Hilfe von Elvira Balzers Schulpferden und -hunden erlernen. Ein Seminar im Mai ermöglicht es all jenen, die die gemeinsame Welt von Pferd und Hund kennen lernen möchten oder jenen, die Probleme mit den beiden Tierarten haben, von den Kenntnissen zweier Fachpersonen zu profitieren (siehe Kästchen).

Tiere gehören zu ihrem Leben

Tiere haben das Leben von Elvira Balzer von Kindheit an begleitet. Geboren wurde sie in Tokio, mit acht Jahren zog ihre Familie nach Schweden. Hunde, Pferde und zahlreiche Kleintiere lebten bei der Familie. In Schweden sass sie auch erstmals auf einem Pferd, und im Alter von 14 Jahren erhielt sie ihr erstes eigenes Pferd geschenkt. Reitausbildungen, klassische englische Reitschule und Militarys folgten, und schliesslich war Elvira Balzer in der Juniorennationalmannschaft von Schweden. Nach dem Matur-Abschluss in Naturwissenschaft kam sie in die Schweiz. Je mehr sie hier mit ihren Tieren arbeitete, desto klarer wurde der Tierfreundin, dass die Vierbeiner nicht immer Spass an der Ausbildung hatten. Manchmal hatte sie das Gefühl, etwas vom Tier verlangen zu müssen, was dieses nicht wollte. Sie absolvierte weitere Ausbildungen, besuchte Seminare und heute weiss sie, dass sie auf dem richtigen Weg der Tierkommunikation ist. Dass sie ihr Hobby zum Beruf machen konnte, bezeichnet Elvira Balzer als ihr grosses Glück.

Typische Probleme bei Pferden

«Im Umgang zwischen Mensch und Pferd heisst es vor allem, Missverständnisse zu beseitigen. Ich kommuniziere mit den Pferden in deren Körpersprache und sehe so bald, wo es hapert. Meine Erkenntnisse gebe ich dem Besitzer weiter. Typische Probleme sind: Ein Pferd lässt sich ungern in einen Anhänger verladen. Beim Ausritt gebärdet sich das Pferd wie auf der Flucht, es lässt sich kaum bremsen. Es hat keinen Respekt vor dem Menschen. Oder es bockt und will den Zweibeiner auf seinem Rücken loswerden. Zurzeit betreue ich ein sechs Monate altes Fohlen, das brutal von seiner Mutter getrennt wurde. An seinem neuen Platz war es völlig verunsichert und überfordert. Langsam haben die neue Besitzerin und ich eine Vertrauensbasis aufgebaut, sodass sich das Fohlen schon sehr viel zutraulicher und sicherer zeigt. Ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig es ist, sich so früh wie möglich an eine Fachperson zu wenden», erzählt Elvira Balzer über ihre spannende und befriedigende Arbeit.

Kompetente Hundeberatung

«Die häufigsten Probleme, die rund um den Hund entstehen, sind auf der Beziehungsebene zu suchen», erklärt Elvira Balzer, die selbst drei Old English Sheepdogs (Bobtails) ihr Eigen nennt, mit denen sie nächstens zu züchten plant. Die Welpen werden nach der Dogmanship-Methode geprägt und im Alter von etwa zehn Wochen optimal sozialisiert abgegeben. Hin und wieder darf ein Gasthund in der Familie seine Ferien verbringen - vo-rausgesetzt natürlich, er versteht sich mit den drei Hundedamen.
Geplant hat Elvira Balzer weiter, Therapiehunde auszubilden: «Dabei soll der Hund seinem behinderten Menschen kleine Handlungen wie Türe öffnen oder Telefon bringen abnehmen, aber genauso wichtig ist es, dass Mensch und Hund eine Beziehung aufbauen, die weit über diese Alltagshilfen hinausreicht. Deshalb möchte ich Mensch und Hund gemeinsam und gleichzeitig ausbilden.»
Einen weiteren Dienst bietet die Beziehungsberaterin künftigen Hundehaltern bei der Wahl des Welpen an. Elvira Balzer begleitet die Interessenten beim Gang zum Züchter, wo sie bei jedem einzelnen Welpen Charakter und Eigenschaften und die damit zu erwartenden Verhaltensweisen erklärt: «Solche Wesenstests mache ich auch bei Züchtern, ohne dass Interessenten zugegen sind, und ohne dass ich die Welpen zuvor gesehen habe. Der Züchter und ich geben unabhängig voneinander jedem Welpen nach einem bestimmten System Punkte; anschliessend vergleichen wir unsere Resultate. So hat der Züchter alles unternommen, um seine Welpen in die passende Familie zu geben.»
Natürlich ist Elvira Balzer auch für alle Hundehalter da, die Probleme, welcher Art auch immer, mit ihrem Vierbeiner haben.

Christine Naef

 

 

PR Bericht 06.2006

Elvira Balzer sucht das Gespräch mit dem Hund

 

Elvira Balzer ist Hunde- und Pferdepädagogin. Ihr Erziehungsstil ist leise und auf gegenseitigen Respekt angelegt. Sie nimmt das Tier als Persönlichkeit ernst und setzt auf den Dialog.

 

„Faith“, die neun Monate alte Bernhardiner-Hündin schlüpft durch einen rund vier Meter langen Plastiktunnel mit einem Durchmesser von ungefähr 70 Zentimeter. Sie holt sich den kleinen Beutel, den ihr Frauchen zuvor ins Innere des Tunnels geworfen hat, und bringt ihn gehorsam zurück. Eine schwierige Übung, welche „Faith“ an diesem Morgen zum ersten Mal gemacht hat. Als Bestätigung für ihre korrekt ausgeführte Arbeit erhält sie aus dem apportierten Beutel ein paar der Hundebisquits – aber nicht bevor Selena Blackmore, die Halterin von „Faith“, das Futter „vorgegessen“ hat. „Ich bin die Rudelführerin, also esse ich zuerst; das muss der Hund akzeptieren“, erklärt die junge Frau. Natürlich tut Selena Blackmore nur, als ob sie etwas davon essen würde: „Ich bin ja Vegetarierin“, lacht sie.

 

Respekt zwischen Hund und Mensch

Selena Blackmore erzieht „Faith“ und ihre beiden anderen Hunde, „Baily“ und „Gioia“, nach der Natural HorseDogmanship-Methode (NHD)  in Zusammenarbeit mit der Hunde- und Pferdepädagogin Elvira Balzer-Hugi aus Eiken.

„Natural HorseDogmanship bedeutet ein natürlicher Hunde- respektive Pferdemensch zu sein“, klärt Elvira Balzer den Laien auf. „Das heisst, wir versuchen so zu denken wie das Tier, seine Körpersprache, seine Laute zu verstehen und mit ihm in einen Dialog zu treten. Ich benehme mich in dem Sinn hündisch.“ Bei dieser Erziehungsmethode soll das Tier zwar den Menschen als Rudelführer anerkennen, die Rangordnung wird ihm jedoch nicht durch lautes Befehlen, Strafen, oder gar durch Schmerz oder Angst aufgezwungen. „Wir wenden auch keine verstärkten Erziehungsmittel wie Halti oder Wurfkette an, sondern nehmen die natürlichen Bedürfnisse als Grundlage der Erziehung. Das Tier ist kein Spielzeug oder Kuscheltier; wir nehmen es als Persönlichkeit ernst“, sagt die erfahrene Hundespezialistin.

 

Ruhe und Sicherheit

Diese Erziehung ist sowohl für Welpen, als auch für bereits ausgewachsene, vorgebildete Hunde geeignet und im Speziellen auch für so genannte Problemhunde.

 

Selena Blackmore hatte ein Problem mit ihren Hunden, vor allem mit „Baily“, dem zwei Jahre alten Jack Russell, der einen ausgeprägten Jagdtrieb entwickelte und den sie draussen kaum zurückhalten konnte. Sie versuchte alles, ging in eine konventionelle Hundeschule, ins Agility-Training, nahm den Hund an die Schleppleine – „nichts half und niemand konnte mir helfen“. Eine Kollegin machte sie schliesslich auf Elvira Balzer und ihre NHD-Methode aufmerksam. Nach längeren Gesprächen stellte die Hundepädagogin fest, dass das Problem gar nicht bei „Baily“ lag, sondern viel mehr bei „Gioia“, die ihre Herrin nicht als Rudelführerin anerkennen wollte. „Wir haben dann mit allen drei Hunden gearbeitet. Es war eine grosse Umstellung, aber der Umgang miteinander ist nun viel ruhiger geworden, und ich habe mehr Selbstvertrauen und mehr Sicherheit“, erklärt Selena Blackmore.

 

Arbeitslose Hunde

Elvira Balzer besucht ihre Kundinnen und Kunden zuhause und arbeitet in der gewohnten Umgebung mit den Tieren. Ihr Training ist sowohl physische als auch mentale Ausbildung, die in drei Schwierigkeitsstufen erfolgt: im Haus, im Garten oder auf dem Balkon, im weiteren Umfeld. Elvira Balzer kommt in der Regel vierzehntäglich für eine Stunde zu ihren Kunden bis der Erfolg erreicht ist. Die Ausbildung umfasst selten mehr als acht bis zehn Einheiten. Sie bildet die Grundlage, auf welcher eine spätere Spezialisierung aufgebaut werden kann, sei es als Begleithund, Jagdhund, Schutzdiensthund etc.

Das NHD-Training berücksichtigt die natürlichen Instinkte des Tieres. „Heutige Hunde sind arbeitslos, sie müssen nichts tun, um ihr Fressen zu bekommen. Ich aktiviere bei ihnen den alten Jagdtrieb,“ erklärt Elvira Balzer. Als Beute dient der Beutel mit dem täglichen Futter. „Seit der Beutel dabei ist, ist für meine Hunde alles viel interessanter“, bestätigt Selena Blackmore.

 

Als Begleiter für den Ausgang

Sabine Haecky aus Pratteln ist MS-Patientin und seit rund fünf Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich bin viel zuhause gesessen und kaum rausgegangen; das war der Grund, warum ich mir einen Hund als Begleiter angeschafft habe“, sagt sie. „Aber ich hatte keine Ahnung von Hunden und habe mir das viel einfacher vorgestellt. Ihr Hund, den sie aus einem Tierheim holte, hatte etliche Probleme: Er bellte alle Leute, speziell Männer, an, reagierte agressiv, sowohl auf gleich grosse Rüden wie auch auf kleine Hunde. „Es war ein Spiessrutenlaufen, ich musste ständig auf der Hut sein und war überfordert.“

Dank der Unterstützung von Elvira Balzer habe sie gelernt, mit den Problemen besser umzugehen, sich auf den Hund zu konzentrieren, mit ihm zu reden und zu arbeiten. „Mein Hund akzeptiert mich jetzt als Rudelführerin, er ist aufmerksamer und weiss, was er darf und was nicht.“ Sie wolle die Arbeit weiterführen, damit ihr Hund weiterhin gefordert sei, betont sie. „Am Anfang habe ich ihn verwöhnt, jetzt ist daraus gegenseitiger Respekt geworden.“

 

Elvira Balzer besitzt selber vier „alte engliche Schäferhunde“ und zwei Pferde. Die Tiere setzt sie unter anderem auch zu Ausbildungszwecken ein. Im Moment machen bei ihr zwei Praktikantinnen die Ausbildung zur Hundepädagogin. Natural HorseDogmanship ist zwar keine eigentliche Berufslehre, „aber eine Philosophie, in der die respektvolle Beziehung zwischen Mensch und Tier im Vordergrund steht“, sagt die Hundeflüsterin. 

 

Doris Fischer

 

 

2007  
Schweizer Radio DRS 1     "Treffpunkt"    mit Diana Jörg